Archiv für Juni 2010

Die (neue) soziale Frage in Theorie und Praxis linker Bewegungen

Tagung am 19./20. Juni 2010 in Dortmund

Krisendemo

Mit dem lange Zeit unerklärten, inzwischen aber politisch deutlich ausgesprochenen Ende des Systems Sozialstaatlichkeit ist die alte soziale Frage – Herstellen und Sichern von Gleichheit – heute neu gestellt. Arme sind nun nicht länger bedauernswerte Ausnahmen im gesellschaftlich erarbeiteten und gesicherten Wohlstand, sondern der massenhafte und weiter anwachsende Nachweis, dass der Neoliberalismus „funktioniert“ – seine strukturelle Basis ist das Herstellen von Ungleichheit unter Einschluss der dafür brauchbaren und Ausschluss der dafür nicht brauchbaren Menschen.

Antworten der politischen Linken lassen auf sich warten. Die Forderungen „Hartz IV muss weg“ und „bedingungsloses Grundeinkommen muss her“ reichen nicht aus. Dieses Ungenügen ist kein Zufall: Die Klasse der Arbeitenden wird zunehmend mit Ausgeschlossenen unterschichtet. Die Trennlinie zwischen „respektablen“ und „verachteten Milieus“ in der Gesellschaft wird schärfer gezogen. Die Prekarisierung der Existenzbedingungen der arbeitenden Klasse vervielfältigt die Interessenlagen und treibt anomische Tendenzen hervor, auf Kosten der nächst Schwächeren das vermeintlich rettende Ufer zu erreichen. Die Klasse erscheint angesichts dieser von oben medial angeheizten „Balkanisierung“ zunehmend ohnmächtig. Der Kampf für Emanzipation von Ausbeutung darf nicht länger einer um die Teilhabe hieran sein, sondern muss konsequent in die Perspektive der Gleichheit aller gestellt werden.

Die Tagung will Ursprünge, Strategien und Ziele sozialpolitischer Impulse in linken Bewegungen
aufspüren und diskutieren. Dabei soll „Linke Bewegung“ weit gefasst und jedenfalls nicht an Teilhabe oder Nichtteilhabe am Parlamentarismus gemessen werden. Kriterien könnten vielmehr der entwickelte Begriff von Gleichheit in Theorie und Programmatik und sein Gebrauchswert in der politischen Praxis der Initiative, Gewerkschaft, Partei usw. sein. Die Tagung soll das häufig abstrakte Postulat – „Aufheben“ der sozialen Ungleichheit – angesichts der gegenläufigen Radikalisierung in der Gesellschaft als Aufgabe linker Bewegungen konkret erfassen und Folgerungen beraten.
Arbeitsmaterialien der Tagung sollen empirische Befunde über die Lage der arbeitenden Klasse und der Armen einerseits und Analysen der Strategien und Zielvorstellungen des Widerstands – der linken Bewegungen – andererseits sein. Es ist davon auszugehen, dass beides häufig nicht zusammenpasst.
Es könnte ein Ergebnis der Tagung sein, den Abstand zu verringern.

Die Tagung soll beinhalten
1. einen analytisch beschreibenden Teil am Samstag von 11.00 bis 17.30 Uhr:
- Wie weit ist der Neoliberalismus mit der Zerstörung der sozialen Beziehungen?
- Welche sozialen Ungleichheiten, Spaltungen und Ausschlüsse hat er hergestellt?
- Welche gesellschaftliche Perspektive unter seiner Hegemonie ist erkennbar?
2. einen strategisch diskutierenden Teil am Sonntag von 10.00 bis 16.30 Uhr:
- Welche Veränderungen kündigen sich im Schoß der alten Gesellschaft an?
- Welche Kräfte entwickeln Widerstand, auf welche Weise und mit welchen Zielen?
- Wie können die Träger/innen von Ideen kooperieren und ihre Kämpfe koordinieren?

Ort: Fachbereich Design der Fachhochschule Dortmund
Max-Ophüls-Platz
Unkostenbeitrag 10 € / ermäßigt 5 €
Um Anmeldung wird gebeten an die Marx-Engels-Stiftung (marx-engels-stiftung@t-online.de)

Beiträge aus Anlass unserer Tagung „Marx 2010!“

Karl Marx und seine Theorien sind wieder an den Hochschulen angekommen. Doch im Ringen um einen zukunftsfähigen Marxismus werden noch viele Debatten nötig sein. Unsere Tagung zu den aktuellen Tendenzen der Marxismus-Beschäftigung soll dazu einen Beitrag leisten.
Am 19.05.2010 veröffentlichte die Tageszeitung junge Welt aus diesem Anlass ein uni-spezial „Marx an den Hochschulen“. Mit freundlicher Genehmigung der jW stellen wir folgende Beiträge zum Download bereit:

Arnold Schölzel: Krisendialektik
Am Umgang mit Marx hat sich in Bürgerkreisen wenig geändert: Totschweigen oder Entschärfen. Für Interesse an ihm und an Veränderung sorgt der Kapitalismus selbst.

Robert Steigerwald: Bücher lesen reicht nicht
Eine Marxismus-Diskussion sollte mehr sein als ein Wissenschaftlerstreit.

Thomas Metscher: Marxismus und Philosophie
Dialektisch-historischer Materialismus zielt auf die produktive Verarbeitung von Erkenntnissen, Wissen und Kunst.

Hans-Peter Brenner: Kein Marx ohne Lenin
Was wäre im 20. Jahrhundert von dem Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus geblieben, wenn nicht die von den Bolschewiki durchgeführte Oktoberrevolution stattgefunden hätte?

Werner Seppmann: Den ganzen Marx lesen
Über die theoretischen Voraussetzungen des »Kapital«-Studiums.

Ulf Brandenburg: Scheitern am Original?
Über objektive und subjektive Schwierigkeiten einer Lektüre des Marxschen »Kapitals«.

Christoph J. Bauer: Das Kapital als ein Ding
Die »neue Marx-Lektüre« auf dem Weg zur »alten Metaphysik«. Eine Kritik vom Standpunkt der Hegelschen Philosophie.

Karl Marx: Krise und Dialektik
In ihrer rationellen Gestalt ist die dialektische Methode dem Bürgertum und seinen doktrinären Wortführern ein Ärgernis und ein Greuel, weil sie kritisch und revolutionär ist.




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